Unlimited

Die neue Sparte der Deutschen Oper Berlin

Was passiert, wenn die Oper ihre verborgenen Räume öffnet? Wenn das Kulissendepot zur Bühne wird, die Schneiderei zum Konzertsaal, wenn Musiktheater zum poetischen Raum wird und wir uns ganz anders begegnen können? Wenn die Oper keine Grenzen kennt?

Mit Unlimited wird die Oper zur Gastgeberin. Wir legen überraschende Verbindungen: zwischen Oper und Straße, zwischen Komposition und Clubkultur, zwischen Geschichte und radikaler Gegenwart, zwischen Stadt und Opernhaus. Unser Programm folgt der Neugier, wohin sie uns treibt: ins Berghain für Bára Gísladóttirs Kontrabass-Drones, ins Kino mit Susanne Kennedy, in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche für immersive Klanginstallationen. In der Tischlerei – unserer Zentrale – wird afrofuturistisches Musiktheater mit kongolesischer Science-Fiction und spirituellem Jazz zur Vision einer neuen Gesellschaft. John Cage fragt: Wie klingt Demokratie, wenn alle gleichzeitig spielen? Jennifer Walshe und Philip Venables erkunden Einsamkeit als gemeinsame Erfahrung. Und in den Nachtmusiken trifft Mozarts Original-Clavichord auf leuchtende Nähmaschinen und die Letzen Tage der Menschheit.

Wir feiern das Musiktheater als Raum für transformative, experimentelle Kunst. Für Geschichten, die warm sind und trotzdem Grenzen verschieben. Wir geben einem Bildenden Künstler zwei Tage den Schlüssel der Deutschen Oper Berlin, versammeln mit der neuen Konzertreihe Cantadoras Frauenstimmen verschiedener Musiktraditionen, Wissensträgerinnen und Storyteller, die uns an diverse Orte Berlins führen. Unsere Salons bringen Astrologen mit Stockhausen zusammen, Countertenöre mit Sommelières. Und wenn die Nacht kommt, wird die Bühne zum Floor – in den Late Nights atmet die Oper aus und wirft sich in die Nacht.

Unlimited passiert überall: in versteckten Winkeln des Opernhauses, in Berliner Clubs, Galerien, auf dem Vorplatz und im Foyer. Wir laden ein – zu tanzen, zu flackern, zu streiten, zu träumen, ohne Grenzen.

 

Premieren

Sunville 25.9.26 – 2.10.26

Ein großer, geöffneter freundlicher Mund gibt den Blick frei auf eine orientalische Stadt mit Menschen und Palmen im Sonnenuntergang

Überlebende des Meeres, Geflüchtete, Exilierte, kommen auf einer Insel zusammen. Aus dem Nichts errichten sie eine neue Gesellschaft, ohne die alten Regeln von Herkunft, von Macht. Kann es das geben, eine Gemeinschaft, die auf Liebe gründet? Gastgeber des Abends sind zwei intergalaktische Kollaborateure: Sun Ra, Vordenker des Afrofuturismus als Antwort auf den omnipräsenten Rassismus, und Karlheinz Stockhausen, welcher der Enge der Kunstwelt entfliehen wollte. Beide sind fasziniert von interplanetarischen Vibrationen, lesen in den 70ern das gleiche spirituelle Buch über die Liebe und drehen den Kosmos frei. Was ist wahr, was Fiktion? Was Vergangenheit, was Zukunft? Sunville taucht in eine ungewisse Unterwasserwelt der Fantasie – und stellt die scheinbar einfache Frage: Wie wollen wir leben?

    

 

Music of Changes 5.3.27 – 13.3.27

Eine freundliche Frau mit langem Haar. Um ihr Haupt leuchten Sterne

Gemeinsam mit dem Berliner Zafraan Ensemble entwerfen der musikalisch verspielte und vielseitige Theaterkünstler Thom Luz und Titus Engel, Conductor in Residence der Deutschen Oper Berlin, einen Musiktheaterabend, in dem sich John Cages Werk in seiner gesamten Weite erleben lässt: von den überraschend mitreißenden Perkussionsstücken der Anfangsjahre über die nachdenklicheren Ausdünnungs- und Auflösungsharmonien der mittleren Schaffensperiode bis zu den völlig von Zufall und Eigeninitiative ihrer Interpretatorik gestalteten Klangmeditationen des Spätwerks. In Cages Werk liegt – über hundert Jahre nach seiner Geburt – immer noch eine der radikalsten musikalischen Antworten auf die dringendste Frage unserer Gesellschaft: Wie kann es uns gelingen, eine Struktur zu erschaffen, in der die unterschiedlichsten Töne koexistieren können, ohne dass ein Ton den anderen dominiert, beherrscht, verdrängt, umdeutet oder gar auslöscht?

    

 

Hamed & Sherifa 30.4.27 – 13.5.27

Ein König und eine Königin, gleich im Haar und ähnlich im Gesicht

Wie wäre es, wenn es keine Ungerechtigkeiten mehr gäbe auf der Welt? Wenn wir die Machtstrukturen, durch die Menschen unterdrückt werden, überwunden hätten? Wenn niemand mehr die Erde zerstören und endlich Frieden herrschen würde? Und alle so leben und lieben könnten, wie sie wollen? Ausnahmekünstler*in Heinrich Horwitz erzählt die Familienoper Hamed & Sherifa des libanesischen Komponisten Zad Moultaka als Rückblick aus einer utopischen Zukunft – also aus einer Zeit, in der alle Lebens- und Liebesformen möglich und akzeptiert sind. Eine Zeit auch, in der alle Grenzen überwunden sind, auch die zwischen Zuschauerraum und Bühne, so dass am Schluss der Aufführung alle großen und kleinen Zuschauer*innen Teil einer einzigen bunten Gemeinschaft werden. 

    

 

Gastspiele

The Alonetimes 14.10.26 – 16.10.26

The Alonetimes führt sechs außergewöhnliche Performer*innen durch ein Geflecht aus Erinnerungen, Zeiten und Parallelwelten: eine Druidin am Feuer aus zerbrochenen iPads, zwei Jungen am Klavier kurz vor dem Meteoriteneinschlag, die Stimme einer verlorenen Liebe im Walkie-Talkie. Szenen wie Fundstücke persönlicher Vergangenheit. Für dieses Projekt treffen zwei hochspannende und sehr unterschiedliche Komponist*innen aufeinander: Jennifer Walshe und Philip Venables erkunden in ihrem neuen Musiktheater Einsamkeit – geschärft durch digitale Dauerpräsenz, verstärkt durch Pandemie und Krisen. 

    

 

The Relatives 8.11.26

Was bleibt von einer Familie, wenn ihre Heimat immer wieder verschwindet? The Relatives folgt der Familiengeschichte des Komponisten Sergej Newski. Basierend auf Interviews mit seiner Großmutter Anna Timofeevna Kravchenko und einzigartigen Super-8-Aufnahmen aus dem Jahr 1968 entsteht eine multimediale Erzählung über vier Generationen hinweg, von 1912 bis heute. Die Form ist radikal: eine Videokonferenz zwischen den Zeiten und augmented reality als dramaturgisches Prinzip. Interviews und Dokumentarmaterial werden zu einem Gespräch, das die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart auflöst.