Bára Gísladóttir – Composer in Residence

Ein Porträtbild mit Kontrabass von Bára Gísladóttir
Bára Gísladóttir © Rui Camilo
 

Die isländische Komponistin schreibt für die Deutsche Oper eine neue Oper. Als Composer in Residence ist sie auch darüber hinaus immer wieder präsent – u. a. in der Gedächtniskirche und im Berghain. Auch als Kontrabassistin wird sie zu erleben sein.

Mit Aufführungen von London bis Teneriffa und von Warschau bis New York zählt Bára Gísladóttir zu den gefragtesten Komponistinnen ihrer Generation. Die Trägerin des Förderpreises der Ernst von Siemens Musikstiftung und des Carl Nielsen Ehrenpreises ist auch stilistisch eine Weltenwandlerin: Ihre Kompositionen finden ebenso Anklang in der Avantgarde der Neuen Musik wie in der alternativen Szene, bei Sinfoniekonzerten als auch auf Indie-Festivals. Ausgehend von ihren Wurzeln in der klassischen Tradition öffnet die Isländerin genreübergreifend Grenzen zu den rauen Sphären des Heavy-Metal und Doom-Metal, zu den technoiden Gefilden von Noise und Drone oder zum schrankenlosen Horizont des experimentellen Jazz. Diese multiperspektivische Ästhetik zeigt sich besonders für die körperlichen Aspekte von Klang sensibel: «Es geht mir immer auch um die direkte physische Auswirkung, wenn der Klang uns buchstäblich innerlich beben lässt.»

Gísladóttir begreift Sounds als lebendig-dynamische Entitäten, die sich in permanenter Bewegung befinden – und damit in einer fluiden Relation zueinander und gegenüber ihrer Umwelt. Im Zentrum ihrer Musik steht das intensive Eintauchen in Klangräume, um dort Mikrokosmen sichtbar zu machen, die als Experimentierfelder ausgebreitet und erschlossen werden können: «Wenn man in einen Sound hineinzoomt, eröffnet sich dort ein komplett eigener Kosmos, der sich erkunden lässt.» Die Erweiterung der kompositorischen Mittel um elektroakustische Elemente ist ebenso fester Bestandteil ihrer Arbeit wie auch der haptische Kontakt und das Resonieren mit dem Instrument.

Als Kontrabassistin ist Gísladóttir Teil des Elja Ensembles, tritt regelmäßig mit dem Bassgitarristen Skúli Sverrisson im Duo auf und performt ihre eigenen Werke solistisch. So etwa bei Silva, einer Komposition für Kontrabass und Live-Elektronik, die auf Festivals in Linz, Bratislava, Reykjavík und im britischen Huddersfield aufgeführt wurde und im Rahmen der Residency an der Deutschen Oper Berlin nun im Berghain erklingt. Den programmatischen Kontrapunkt dazu bildet Víddir, ein Werk für Ensemble, dessen deutsche Erstaufführung in der Berliner Gedächtniskirche stattfinden wird. Víddir erlebte bereits Aufführungen in Aarhus, Helsinki, Gent, San Diego sowie im mexikanischen Ensenada und entstand 2019 als Studienabschluss ursprünglich für die Grundtvigskirche in Kopenhagen. Dort befindet sich seit etwa zehn Jahren der Lebensmittelpunkt der isländischen Komponistin; zuvor studierte sie in Reykjavík und am Mailänder Conservatorio Giuseppe Verdi.

Seit einigen Jahren nimmt die interdisziplinäre Arbeit eine zunehmend bedeutende Stellung in Gísladóttirs Schaffen ein. So improvisierte sie live zu den psychedelischen Naturbildern des Films The Breathing Forest von Wolfgang Lehmann. Die Zusammenarbeit mit dem Choreografen Ben J. Riepe führte sie an die Staatsoper Hannover, die Tanzfabrik Köln, ans tanzhaus nrw in Düsseldorf und ans Festspielhaus Hellerau in Dresden. Sie konzipiert Klanginstallationen, die in Galerien gezeigt werden, und kooperiert mit bildenden Künstler*innen. Darüber hinaus schreibt sie Musik für die Theaterbühne, so jüngst für Oresteia von Benedict Andrews am Isländischen Nationaltheater. An der Deutschen Oper Berlin entsteht nun ihre erste abendfüllende Oper.

Eine dirigierende Hand

Silva > 25.11.26

Gemeinsam mit dem CTM Festival lädt Unlimited ins Berghain ein, wo Bára Gísladóttir selbst am Kontrabass ihre einstündige Performance Silva präsentiert. Das Werk vereint Einflüsse unterschiedlichster Genres, von Experimentalmusik über Heavy Metal bis Noise, Drone, Techno und Electronica.

Ort: Berghain   

 

Im Kino > 13.1.27

Mit Unlimited geht die Oper ins Kino: Im delphi LUX zeigen Künstler*innen, denen wir in der Opernsaison begegnen, ihre geheimen Lieblingsfilme, guilty pleasures oder kinematische Inspirationspunkte im Kontext der Opernproduktionen – und stellen sie persönlich vor.  

Ort: delphi LUX   

 

Improvisation > 14.1.27

Improvisation als Grundpfeiler lebendiger Musikkultur: Welche formalen oder harmonischen Vereinbarungen werden getroffen, um freies Musizieren zu ermöglichen? Wie unterscheiden sich verschiedene Epochen in dieser Hinsicht? Eine Feier der Spontaneität von Barock bis Jazz mit Composer in Residence Bára Gísladóttir.

Ort: Tischlerei   

Ein Mobiltelefon mit lächelnden Augen und Armen und Beinen

Good Vibes Only > 22.1.27 – 12.2.27

Ein digitaler Irrgarten: Jede Sekunde entstehen weltweit zehntausende digitale Beiträge. Posts werden abgesetzt, Tweets verfasst, Videos hochgeladen. Etwa zwei Drittel der globalen Bevölkerung nutzen regelmäßig soziale Medien, knapp die Hälfte täglich. Ein reißender Strom aus Informationen prasselt auf das menschliche Gehirn ein und zwingt zu Entscheidungen auf schrankenlosen Bahnen durch den sich kontinuierlich vergrößernden Digital-Jungel. Dieses heterogene Kreuzfeuer im Endlos-Feed aus permanent nachgespeistem Content formt einen Sog, dem das rezipierende Subjekt kaum zu entkommen vermag. Auf die Suche nach Mustern in diesem multidimensionalen Chaos begeben sich die isländische Komponistin Bára Gísladottir und der französische Autor und Regisseur Joris Lacoste.

Ort: Großes Haus   

 

Víddir > 29.1.27

Víddir für neun Flöten, drei Schlagzeuger, Bassgitarre und Kontrabass feiert seine deutsche Erstaufführung in der Berliner Gedächtniskirche. Das Werk von Bára Gísladóttir verwandelt den Kirchenraum in einen lebendigen Klangkörper. Kokonartig sitzt das Publikum im Kreis zwischen den Instrumentengruppen: der Klang wandert, steigt, fällt, breitet sich in Wellen und Schichten aus. Gleichzeitig verschmelzen die Instrumente zu einer einzigen, organischen Stimme.

Ort: Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche