Eröffnungswochenende – kuratiert von Rirkrit Tiravanija

«Unless the people live here» – «Nur wenn die Menschen hier leben»

An meine lieben Berliner*innen,

als ich eingeladen wurde, mir die Eröffnung der Spielzeit 2026/2027 an der Deutschen Oper Berlin vorzustellen, wollte ich nicht über ein Eröffnungswochenende im herkömmlichen Sinne nachdenken. Stattdessen habe ich mich gefragt, was es bedeuten könnte, das Haus wirklich zu öffnen: für Zeit, für die Menschen der Stadt und für die vielen Formen des Machens, ohne die die Oper überhaupt nicht existieren könnte.

NUR WENN DIE MENSCHEN HIER LEBEN greift die Idee des Gesamtkunstwerks auf, um den Blick über die Bühne hinauszulenken. Oper war immer schon eine kollektive Leistung – getragen von Musiker*innen und Sänger*innen, Kostümbildner*innen und Techniker*innen, vom Einlasspersonal, von Verwaltung, Haustechnik und vielen anderen, deren Arbeit mit dem Öffnen des Vorhangs meist unsichtbar wird. Dieses Projekt geht von der Überzeugung aus, dass all diese Elemente gleichermaßen zählen und dass das Opernhaus selbst als ein lebendiges System verstanden werden kann, geprägt von Zusammenarbeit und Fürsorge.

Das für 30 Stunden geöffnete Haus, das den Beginn der Spielzeit markiert, entfaltet sich als offenes Gefüge, das über Tag und Nacht hinweg zugänglich und in Bewegung bleibt. Im Laufe des Wochenendes werden in Berlin lebende Künstler*innen das Haus mit ortsspezifischen Interventionen bespielen, die sich durch das gesamte Gebäude ziehen. Sie arbeiten auf den Bühnen ebenso wie in Werkstätten, in Foyers und Büros, in Küchen und technischen Bereichen. Ziel ist es nicht, das Opernhaus in etwas anderes zu verwandeln, sondern seine inneren Abläufe in den Vordergrund treten zu lassen.

Die Deutsche Oper Berlin wurde als Opernhaus FÜR DIE MENSCHEN gegründet, und diese Geschichte ist in jeder dieser Interventionen von Bedeutung. Das Haus ist dabei weder bloße Kulisse noch reine Bühne, sondern ein aktiver Mitspieler. Während Sie sich durch das Gebäude bewegen, können Ihnen Momente begegnen, die vertraut wirken, und andere, die eine leise Verschiebung erfahren. Es gibt keinen vorgeschriebenen Weg durch das Wochenende und keine Erwartung, alles zu sehen. Entscheidend ist die Zeit, die man im Haus verbringt.

Ich hoffe, Sie begleiten uns am letzten Augustwochenende – sei es für einen kurzen Besuch oder für längere Zeit – und lassen die gemeinsam verbrachte Zeit Gestalt annehmen, während Sie sich durch das Haus bewegen. Nachdem wir dieses Wochenende miteinander verbracht haben: Was mag über das Haus hinaus bei Ihnen bleiben? Was verändert sich, wenn die Mechanismen des gemeinsamen Lebens sichtbar werden?

Bis dahin, Rirkrit Tiravanija

Rirkrit Tiravanija –
geboren in Buenos Aires und thailändischer Herkunft, ist Bildender Künstler und Performer. Er lebt in New York, Berlin und Chiang Mai. In seinen Arbeiten und Installationen kombiniert Tiravanija Malerei, Drucktechnik, Video, Fotografie und Musik. Auch das gemeinsame Kochen und Essen ist wiederkehrendes Thema. Seine Arbeiten wurden u. a. am Museum of Modern Art und Solomon R. Guggenheim Museum in New York gezeigt, an der National Gallery of Singapore, am Centre Georges Pompidou Paris, am Stedelijk Museum Amsterdam, in der Wiener Secession und am Fridericianum Kassel. Auch bei den Biennalen von Venedig, São Paulo (2006) und bei der Whitney Biennale waren seine Werke zu erleben. Bei der Triennale Paris inszenierte er 2011/12 mit Soup/No Soup ein 12-stündiges Bankett im Grand Palais. Auch die Oper ist ihm vertraut, entwarf er doch das Bühnenbild für Cherkaouis Inszenierung von Hanjo an der Bayerischen Staatsoper (2022/23).

Eröffnungswochenende > 29.&30.8.26

Samstag 12.00 bis Sonntag 18.00 in und um die Deutsche Oper Berlin