Aktuelle Pressemitteilungen

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14.04.2026

Es freut uns, Ihnen heute die Pläne für die erste Saison der neuen Intendanz von Aviel Cahn und seinem künstlerischen Leitungsteam, Chefdramaturgin Beate Breidenbach und Elisa Erkelenz, Leiterin der Sparte Unlimited, vorstellen zu können.

Programmatisch für die neue Reihe Unlimited findet das Eröffnungswochenende am 29./30. August mit Events statt, die unter der kuratorischen Leitung des bildenden Künstlers und Performers Rirkrit Tiravanija stehen und Handschriften von wichtigen Künstler*innen aus Berlin mit den Musiker*innen und Sänger*innen sowie den Räumen der Deutschen Oper Berlin verbinden. Petrit Halilaj und Álvaro Urbano werden eine kostümierte Parade initiieren, Sung Tieu kommt direkt von der Kunstbiennale in Venedig zu uns nach Berlin und Anri Sala arbeitet mit Musiker*innen des Orchesters. Außerdem sind Tomás Saraceno und Omsk Social Club mit Aktionen vor Ort. Von Samstag 12 Uhr bis Sonntag 18 Uhr steht das Haus für unser Publikum offen, während der Nachtstunden verwandelt sich die Bühne in einen Club.

Am 19. September folgt die erste von sieben Premieren auf der großen Bühne, und zwar die deutsche Erstaufführung von Karlheinz Stockhausens monumentalem Opus Mittwoch aus Licht. Während in anderen Teilen des LICHT-Zyklus der Kampf miteinander streitender Kräfte, deren Polarität unser Leben bestimmt, im Zentrum steht, wird in Mittwoch die Utopie der Liebe und der spirituellen Verbindung im Geiste der Musik zelebriert. Maxime Pascal, als Principal Guest Conductor dem Haus eng verbunden und ein leidenschaftlicher Anwalt der Musik Stockhausens, arbeitet für Mittwoch aus Licht mit seinem Ensemble Le Balcon, Solist*innen des Orchesters und dem Chor der Deutschen Oper Berlin zusammen. Regie führt die in Berlin bereits bekannte Susanne Kennedy, deren Arbeiten in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz sowie beim Theatertreffen (Fegefeuer in Ingolstadt sowie Warum läuft Herr R. Amok?) zu sehen waren. Ihre Inszenierung von Einstein on the Beach wurde auf internationalen Festivals gezeigt und in Berlin von den koprodu-zierenden Berliner Festspielen.

Schon einen Monat später, am 24. Oktober, laden wir zur zweiten Neuproduktion ein, Wagners Der fliegende Holländer in der Regie von Milo Rau und mit Giedrė Šlekytė am Pult; Tomasz Konieczny gestaltet die Titelparte und Aušrine Stundytė debütiert als Senta. Der streitbare Theatermacher Milo Rau setzt sich erstmals mit dem Werk Richard Wagners auseinander. Er nutzt die romantische Oper als Ausgangspunkt für eine Reise in die politischen Tiefenschichten der Bundesrepublik und deren lange Auseinandersetzung mit Schuld, Erinnerung und der Suche nach Versöhnung.

Für Familien zeigen wir ab dem 15. November das Musiktheater In 80 Tagen um die Welt nach Jules Vernes weltbekanntem Klassiker, von dem sich Jonathan Dove zu seiner Komposition inspirieren ließ. Regie führt Peter Lund, der auch das Libretto geschrieben hat. Die für das Opernhaus Zürich entstandene Produktion wird unter musikalischer Leitung unseres neuen Kapellmeisters Giovanni Conti mit Sänger*innen unseres Ensembles neu einstudiert.

Eine herausfordernde Entdeckung dürfte am 22. Januar 2027 die Uraufführung Good Vibes Only der jungen isländischen Komponistin Bára Gísladóttir, Preisträgerin der Ernst von Siemens Musikstiftung, bieten, die sich mit Themen der Social-Media-Gesellschaft auseinandersetzt. Regie führt der in Frankreich und Belgien festivalerprobte Joris Lacoste, den es in Deutschland erst zu entdecken gilt. Am Pult steht Titus Engel, Conductor in Residence und ein erfahrener Partner für komplexe Uraufführungen. Wir freuen uns, dass sich Bára Gísladóttir als Composer in Residence mit Konzerten, u. a. im Berghain und in der Gedächtniskirche, dem Publikum vorstellt und weitere Programme gestaltet.

Mozarts Così fan tutte kehrt am 28. Februar 2027 in einer Neuproduktion des Regiekollektivs FC Bergmann zurück auf den Spielplan der Deutschen Oper und lotet mit einem spielfreudigen Ensemble um Elsa Dreisig als Fiordiligi und Patrizia Ciofi als Despina unter Leitung des Mozart-Spezialisten Ricardo Minasi u. a. die psychologischen Facetten des vielschichtigen Spiels um die Liebe aus. Das belgische Regiekollektiv FC Bergman, das auf der Biennale di Venezia 2023 mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde und zuletzt auf der Ruhrtriennale mit Guernica Guernica einen fulminanten Erfolg feierte, ist in seiner Theatersprache dem bildgewaltigen Surrealismus zugeneigt und wird jetzt erstmalig in Berlin zu erleben sein. 

Othello: Kaum eine Figur der Weltliteratur verbindet so viele tragische Widersprüche, denn er ist Täter und Opfer, Jäger und Beute zugleich – blutrünstiger Mörder seiner geliebten Desdemona, aber auch der dämonischen Manipulationslust des heimlichen Widersachers Jago ausgeliefert. Der Schauspiel- und Opernregisseur Kornél Mundruczó, der zudem als Filmemacher auf Psychodramen spezialisiert ist und gerade bei der Berlinale mit einem Beitrag im Wettbewerb vertreten war, führt uns in Verdis Otello direkt in die psychotischen Abgründe des Protagonisten. Am Pult steht Stefano Montanari, eigentlich Spezialist für die ältere italienische Opernliteratur, der gerade an der Staatsoper Stuttgart sein Gespür für Verdis Spätwerk bei einem umjubelten Otello bewies. Die Titelpartie übernimmt Najmiddin Mavlyanov, für die dramatischen Tenorrollen des italienischen und russischen Fachs weltweit gefeiert. Premiere ist am 16. April 2027.

Als letzte Premiere auf der großen Bühne zeigen wir am 18. Juni 2027 Brittens War Requiem in einer Inszenierung von Daniel Kramer und in einem Bühnenbild des herausragenden Fotokünstlers Wolfgang Tillmans. In der Inszenierung verbindet sich Kramers poetisch-kraftvolle Körperarbeit mit dem unkonventionellen, weltzugewandten Blick von Tillmans. Beide schaffen zeitlose Situationen, in denen Trauma und Trost, Masse und Intimität Platz finden. Unter musikalischer Leitung des Britten-Kenners Sir Donald Runnicles wird die für die Uraufführung geplante symbolische Besetzung mit einer russischen Sopranistin, einem britischen Tenor und einem deutschen Bariton nun mit Elena Tsallagova, Nicky Spence und Björn Bürger realisiert.

Außerdem ist das Publikum zu vier Sinfoniekonzerten eingeladen, die unter Leitung der drei dem Haus in Besonderheit verbundenen Dirigenten: Titus Engel, Maxime Pascal und Michele Spotti, sowie von Joanathan Nott stehen. Geboten werden originelle Programme mit Werken, die sonst eher selten erklingen.

Unlimited – die neue Sparte

Mit Unlimited etablieren wir eine neue Sparte, die Musiktheater und die Deutsche Oper als offenen Raum jenseits fester Grenzen zwischen Genres, Orten und Öffentlichkeiten feiert. Fünf eigenständige Reihen bilden ihr programmatisches Rückgrat: Cantadoras, Nachtmusiken, Late Nights, Im Kino und der Unlimited Salon. Es geht um die Präsenz verschiedener Perspektiven auf ein Thema, ob von unserem Poet in Residence Fiston Mwanza Mujila, der aus dem Kongo kommt, oder von Sängerinnen aus der Ukraine, dem Iran oder der Türkei wie in unserer Reihe Cantadoras, die Frauenstimmen im Kontext verschiedener Musiktraditionen zu Wort kommen lässt. Unlimited bietet auch Raum für eine breitere Zusammenarbeit mit der Berliner Kulturszene.

Für die Neuproduktion Sunville nimmt uns Fiston Mwanza Mujila mit in die «Second World» – eine Zone, in der afrikanische Kosmologien, Black Science-Fiction und beißende Satire, inspiriert vom Afrofuturismus, kollidieren. Manchmal hilft es nur, in Gelächter auszubrechen, bevor wir weiter träumen können. Die äthiopisch-schwedische Komponistin und Sängerin Sofia Jernberg steht ebenso wie Mujila neben weiteren Musiker*innen mit auf der Bühne. Sunville stellt die scheinbar einfache Frage: Wie wollen wir leben? Die Produktion in der Regie von Stephanie Thiersch ist eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen und dem Voices Berlin Festival und feiert am 25. September ihre Premiere in der Tischlerei.

Gemeinsam mit dem Berliner Zafraan Ensemble entwerfen der für seine künstlerische Vielseitigkeit bekannte Theatermann Thom Luz und Titus Engel den Musiktheaterabend Music of Changes, in dem sich John Cages Werk in seiner ganzen Breite erleben lässt: von den mitreißenden Perkussionsstücken der Anfangsjahre über die nachdenklicheren Ausdünnungs- und Auflösungsharmonien der mittleren Schaffensperiode bis zu den völlig von Zufall und Eigeninitiative ihrer Interpretatorik gestalteten Klangmeditationen des Spätwerks. Die Uraufführung findet am 5. März 2027 in der Tischlerei statt. Darüber hinaus entwickeln Luz und Engel einen Zyklus, in dem sie Karlheinz Stockhausen mit John Cage in Dialog bringen.

Außerdem sehen wir mit Spannung einer Neuproduktion für Kinder entgegen, Zad Moultakas Hamed & Sherifa, die am 30. April 2027 in der Regie von Heinrich Horwitz Premiere feiert. Dazu kommen Gastspiele von Musiktheaterproduktionen, Konzerte in der Tischlerei und an anderen Orten in der Stadt wie der Gedächtniskirche und dem Berghain… nehmen Sie sich die Zeit, durch das breite Unlimited-Programm zu streifen, um wertvolle Raritäten zu entdecken.

Ab sofort stellen wir die Spielzeiten unter ein Motto, um stärker unsere Inhalte und Visionen kenntlich machen zu können. Unser Motto 26/27 «Make Love…» stellt den Bezug zu unserer Zeit und ihren Herausforderungen her und lädt gleichzeitig ein, die drei Punkte des bekannten Slogans aus den 60er Jahren ganz eigen zu füllen – spielerisch, humorvoll und Ihren kreativen Gedanken Raum gebend. Die Illustrationen, die mit Witz weitere Assoziationsräume öffnen, hat die Pariser Illustratorin Olga Prader entwickelt. Gerade in herausfordernden Zeiten sind wir überzeugt, dass die Oper als Ort der Gemein-schaft wichtiger ist denn je – ein Ort, an dem wir zusammenkommen und gleichzeitig in utopische Welten eintauchen.

In diesem Sinne freuen wir uns auf die Saison 2026/27 mit ihrem reichen Angebot und vielen Neuigkeiten und sind gespannt auf Ihre journalistische Begleitung.

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PK Anschreiben Saison 26/27 | pdf | 0.14MB /  09.04.2026

14.04.2026

Großes Haus

Premiere: 19. September 2026
Karlheinz Stockhausen
Mittwoch aus Licht
Musikalische Leitung: Maxime Pascal
Inszenierung: Susanne Kennedy

Premiere: 24. Oktober 2026
Richard Wagner
Der fliegende Holländer
Musikalische Leitung: Giedrė Šlekytė
Inszenierung: Milo Rau

Premiere: 15. November 2026
Jonathan Dove
In 80 Tagen um die Welt
Musikalische Leitung: Giovanni Conti
Inszenierung: Peter Lund

Uraufführung: 22. Januar 2027
Bára Gísladóttir
Good Vibes Only
Musikalische Leitung: Titus Engel
Inszenierung: Joris Lacoste

Premiere: 28. Februar 2027
Wolfgang Amadeus Mozart
Così fan tutte
Musikalische Leitung: Riccardo Minasi
Inszenierung: FC Bergman (Stef Aerts, Thomas Verstraeten, Marie Vinck)

Premiere: 16. April 2027
Giuseppe Verdi
Otello
Musikalische Leitung: Stefano Montanari
Regie: Kornél Mundruczó

Premiere: 18. Juni 2027
Benjamin Britten
War Requiem
Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles
Regie: Daniel Kramer

Unlimited

28./29. August 2026
Eröffnungswochenende
Kuratiert von Rirkrit Tiravanija

Uraufführung: 25. September 2026 Tischlerei
Sunville
Sofia Jernberg (Komposition) / Stephanie Thiersch (Regie) / Fiston Mwanza Mujila (Libretto) 

Premiere: 5. März 2027 Tischlerei
Music of Changes
Musiktheater nach Kompositionen von John Cage
Musikalische Leitung: Titus Engel
Regie: Thom Luz
Im Rahmen des Stockhausen-Cage Zyklus

Premiere: 30. April 2027 Tischlerei
Hamed & Sherifa
Musiktheater für Kinder von Zad Moultaka
Musikalische Leitung: Miguel Perez Iñesta
Regie: Heinrich Horwitz                  

Gastspiel: 14. bis 16. Oktober 2026 Tischlerei
The Alonetimes
Musiktheater von Jennifer Walshe und Philip Venables (Text, Musik, Regie)

Gastspiel: 8. November 2026 Tischlerei
The Relatives (UA)
Musikalisches Dokumentartheater von Sergej Newski
Musikalische Leitung: Titus Engel
Regie: Sergej Newski

 

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PK Premierenübersicht Saison 26/27 | pdf | 0.11MB /  09.04.2026

14.04.2026

Neue Reihen der Deutschen Oper Berlin verbinden Stimmtraditionen aus aller Welt, verborgene Räume des Hauses und die Berliner Nacht

Mit Unlimited etabliert die Deutsche Oper Berlin eine neue Sparte, die Musiktheater als offenen Raum begreift – jenseits fester Grenzen zwischen Genres, Orten und Öffentlichkeiten. Fünf eigenständige Reihen bilden – neben den Tischlerei-Produktionen und -Gastspielen – ihr programmatisches Rückgrat: Cantadoras, NachtmusikenLate Nights, Im Kino und der Unlimited Salon.

Cantadoras — Die Stimme als Widerstand und Wissen

Was kann eine Stimme sein? Ritual, Gedächtnis, politischer Widerstand, spirituelle Praxis. Die neue Konzertreihe Cantadoras versammelt herausragende Sängerinnen verschiedener Musikkulturen und führt das Publikum an unterschiedliche Orte Berlins. Obertongesang aus Tuwa, persische Vokaltraditionen, ukrainische Polyphonie und äthiopisch-schwedische Klangkunst begegnen einander – nicht als Weltmusik-Panorama, sondern als Begegnung zwischen Wissensträgerinnen.

Den Auftakt macht im Oktober 2026 die Sopranistin und Komponistin Sofia Jernberg im Haus der Kulturen der Welt. Im Januar 2027 folgt die tuwinische Sängerin Sainkho Namtchylak, deren Khöömei-Obertongesang dreitausendjährige Tradition mit Noise-Avantgarde verbindet. Im März 2027 ist die iranische Sängerin Golnar Shahyar mit der Cellistin Atena Eshtiaghi zu erleben. Den Abschluss bildet im Juni 2027 Mariana Sadovska im Berliner Ensemble – mit archaischen ukrainischen Rufgesängen, die heute dringlicher klingen denn je.

Nachtmusiken — Das Haus hinter dem Vorhang

Wenn das Licht im Foyer erlischt, erwachen die verborgenen Räume des Hauses. In drei intimen Abenden öffnet Bariton Georg Nigl Orte, die dem Publikum sonst verschlossen bleiben: die Schneiderei zwischen leuchtenden Nähmaschinen, das Kulissenlager im Dämmerlicht. Im Dezember 2026 verlässt Mozarts eigenes Clavichord zum ersten Mal seit 1842 Salzburg. Im Februar 2027 bringt Nina Hoss Käthe Kollwitz' Worte über Schubert in Dialog mit Olga Paschenkos Klavierspiel. Im Juni 2027 verbindet Nicholas Ofczarek Karl Kraus' Chronik des Ersten Weltkriegs mit Mahler und Eisler zur Frage: Wie klingt der Untergang – und erkennen wir ihn wieder?

Late Nights, Kino und Salon

In den Late Nights wird die Oper zum Tanzraum: In Kooperation mit der Berliner Clubszene werden Foyers zu Floors, Stimmen verzerrt, die Nacht zur Partitur. Die Glam Night lädt nach ausgewählten Vorstellungen zur extravaganten Chillout-Lounge – mit DJ, Drinks, offenem Haus. Die Reihe Im Kino schickt Künstler*innen der Saison ins delphi LUX, wo sie ihre Lieblingsfilme persönlich vorstellen – im Zeichen des Saisonmottos «Make Love…» … Der Unlimited Salon beleuchtet Opernstoffe aus unerwarteten Winkeln: Ein Astrologe schaut mit Stockhausen in die Sterne, Countertenöre treffen auf Sommelières. Die Oper als Ort des echten Lebens – und ein Drink aufs Haus.

 

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PK Unlimited Reihen Saison 26/27 | pdf | 0.12MB /  09.04.2026

14.04.2026

Text von Karlheinz Stockhausen – Deutsche Erstaufführung: 19. September 2026 – Weitere Vorstellungen: 20., 23., 26., 27. September 2026 – ca. 4 Std. inkl. Pause

Nicht weniger als ein kosmisches Welttheater um Mann und Frau, Gut und Böse, Geburt und Tod entwirft der Klangvisionär Stockhausen in seinem monumentalen Zyklus LICHT. Die sieben Tage der Woche. Während in anderen Teilen des Zyklus der Kampf miteinander streitender Kräfte im Zentrum steht, deren Polarität unser Leben jeden Tag aufs Neue bestimmt, wird im Mittwoch die Utopie der Liebe und der spirituellen Verbindung im Geiste der Musik zelebriert – und der Glaube daran, dass Gemeinschaft und Solidarität möglich sind. So setzt Mittwoch aus Licht zu Beginn der neuen Intendanz nicht nur ein starkes Zeichen für das zeitgenössische Musiktheater, sondern ist auch zugleich Ausgangspunkt für das Spielzeitmotto «Make Love…», das den Bogen über die ganze Saison spannt.

Kompromisslos war Stockhausen auf der Suche nach einer neuen Art von Musik; er gilt als einer der innovativsten, aber auch streitbarsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Der Pionier der elektronischen Musik hat auch die Popmusik bis hin zu Kraftwerk und Björk über alle Genregrenzen hinweg inspiriert. Spektakuläres Herzstück des Mittwoch aus Licht ist das Helikopter-Streichquartett. Hier erweitert Stockhausen den musikalischen Raum über den Theaterraum hinaus: Die Mitglieder eines Streichquartetts sitzen in vier hoch über dem Publikum kreisenden Hubschraubern. Die Streicherklänge mischen sich mit den Geräuschen der Rotorenblätter und werden aus luftigen Höhen in den Zuschauerraum geschickt. Für unsere Produktion wird das Quartett als einmaliges Event live für die ganze Stadt aufgeführt; die filmische Aufzeichnung des Quartetts wird Teil der Inszenierung.

Die Regisseurin Susanne Kennedy erhielt 2014 den 3sat-Preis beim Berliner Theatertreffen und ist dem Berliner Publikum durch ihre Arbeiten an der Volksbühne bekannt. 2022 erregte sie mit ihrer ersten großen Operninszenierung Einstein on the Beach am Theater Basel Aufsehen, 2025 inszenierte sie an der Opera Vlaanderen Wagners Parsifal. Markus Selg, enger künstlerischer Partner Kennedys und verantwortlich für Bühnenbild und Video, erkundet seit den 1990er Jahren mit seinen Skulpturen und Installationen den Grenzbereich zwischen Mythos und digitaler Technologie. In seiner Theaterarbeit schafft Selg digitale Parallelwelten, die als eigenständige Elemente der Aufführung den Bühnenraum definieren. An der Deutschen Oper Berlin wird das mehrfach ausgezeichnete Künstlerduo Stockhausens Mittwoch aus Licht in seiner ersten Opernproduktion in Berlin zu einem immersiven Ritual verdichten.

Maxime Pascal, mit Beginn der neuen Intendanz Principal Guest Conductor an unserem Haus, übernimmt die musikalische Leitung dieses grenzensprengenden Projekts. Pascal ist ein außergewöhnlich guter Kenner und leidenschaftlicher Anwalt der Musik Stockhausens und hat mit seinem Ensemble Le Balcon bis auf den Mittwoch bereits alle Teile des LICHT-Zyklus zur Aufführung gebracht.

Neben dem Ensemble Le Balcon wird sich auch der Chor der Deutschen Oper Berlin der großen Herausforderung dieser Musiktheaterproduktion stellen und im ersten Teil des Stücks, Weltparlament, auf der Bühne stehen. Im Helikopter-Streichquartett sind vier Musiker*innen aus dem Orchester der Deutschen Oper Berlin zu hören.

Koproduktion mit der Philharmonie de Paris in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
Mit Unterstützung der Lotto-Stiftung Berlin und des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin

  

 

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PK Mittwoch aus Licht Saison 26/27 | pdf | 0.09MB /  09.04.2026

14.04.2026

Romantische Oper. Text von Richard Wagner – Premiere: 24. Oktober 2026 – Weitere Vorstellungen: 28., 31. Oktober 2026; 5., 8., 15. November 2026; 13., 20. Februar 2027 – ca. 3 Std. inkl. Pause

Mit Der fliegende Holländer setzt sich der streitbare Theatermacher Milo Rau erstmals mit dem Werk und Kosmos Richard Wagners auseinander – und nutzt die romantische Oper als Ausgangspunkt für eine Reise in die politischen Tiefenschichten der Bundesrepublik Deutschland. Im Zentrum steht der verfluchte Seemann, der nur durch die Treue einer Frau Erlösung finden kann – und in Senta eine obsessiv entschlossene Verbündete findet. Ausgehend von Wagners ideologisch verbrämter Beschäftigung mit Ahasverus, der Figur des ewig wandernden Juden, seinem Antisemitismus und Erlösungskult richtet Rau den Blick auf die lange Nachkriegsgeschichte von Schuld, Erinnerung und der Suche nach Versöhnung. Was bedeutet es, Wagner nach der Shoah zu lieben? Gibt es eine Erlösung für Wagner, eine Erlösung von der deutschen Schuld? Die Inszenierung verfolgt diese Fragen anhand der Figur des unerlösten Holländers wie ein Roadmovie durch die deutsche Kultur und Geschichte nach 1945 und die emotional aufgeladenen deutsch-israelischen Beziehungen bis ins Heute. Der Holländer erscheint als nationale Metapher: als Figur, die immer wieder an der Überwindung ihrer eigenen Geschichte scheitert.

Milo Rau wagt mit diesem Konzept den Schritt in schmerzhafte Areale des Diskurses – ohne erträgliche Antworten zu versprechen. Mit dokumentarisch-filmischer Erzählweise und den Mitteln des Musiktheaters wird die Partitur zum Denkraum über Rezeption und Verantwortung. Musikalisch trifft Wagners Geisteroper auf die energiegeladene Lesart der jungen Dirigentin Giedrė Šlekytė, die mit dieser Produktion ihr Wagner-Debüt an der Deutschen Oper Berlin gibt. Tomasz Konieczny verkörpert mit großer Rollenerfahrung diesen neuen Holländer; an seiner Seite gestaltet Aušrinė Stundytė, international gefeiert für ihre radikalen Frauenfiguren, erstmals die Senta.

Neben den Opernfiguren – Senta, Erik, Daland, Mary, Holländer – stellen sich zwei neue Charaktere dem Publikum vor: Das Erzähler*innenduo Shlomi Moto Wagner, in Israel und den USA zum*r Opernsänger*in ausgebildet und der Berliner Drag- und Performance-Szene bestens bekannt, sowie die russisch-israelische Schauspielikone Yevgenia Dodina rahmen die Aufführung mit dem fortdauernden Versuch, Wagners Werk in Israel erklingen zu lassen, wo es bis heute eine kulturelle Wunde berührt. Dieses Unterfangen ist von leidenschaftlicher Tollkühnheit getragen, aber hält auch jene kritische Distanz, die die Familiengeschichten der Erzähler*innen und ihr komplexes Verhältnis zu Deutschland einfordern.

    

 

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PK Der fliegende Holländer Saison 26/27 | pdf | 0.09MB /  09.04.2026

14.04.2026

Familienoper. Libretto von Peter Lund – Premiere: 15. November 2026 – Weitere Vorstellungen: 21., 22. (2x) November 2026; 2., 3., 10. Dezember 2026; 14., 18. (2x) April 2027 – ca. 2 Std. inkl. Pause

Max liest für sein Leben gern. Nun hat ihn ein Buch gefangengenommen, das vor über 150 Jahren geschrieben wurde: In 80 Tagen um die Welt von Jules Verne. Nicht mal seine Freundin Josi kann Max vom Lesen abhalten, obwohl sie findet, er könne sich nicht immer auf den Dachboden in seine eigene Welt verkriechen; schließlich ist die Realität aufregend genug, lieber soll er mit ihr auf die wichtige Demo kommen!

Max jedoch vertieft sich so sehr in sein Buch, dass die Figuren daraus plötzlich lebendig werden und er selbst eine zentrale Rolle in der Geschichte übernimmt: Phileas Fogg, der exzentrische englische Gentleman, macht Max zu seinem Diener. Die Hälfte seines Vermögens hat Fogg darauf gesetzt, dass er es schafft, die Welt in 80 Tagen zu umrunden; was heute natürlich kein Problem mehr darstellt, war vor 150 Jahren eine echte Herausforderung. Und so erlebt Max, der nun Passepartout heißt, gemeinsam mit Fogg eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit – und zu den ägyptischen Pyramiden, nach Indien, Hongkong und schließlich nach Amerika, mal mit dem Zug, mal mit dem Schiff, mal auf Elefanten reitend… Verfolgt werden sie dabei vom Kriminalbeamten Fix, der Fogg für einen gesuchten Bankräuber hält und ihm dicht auf den Fersen ist. Aber zum Glück hat Fogg tatkräftige Unterstützung nicht nur von Max alias Passeparte-tout, sondern auch von Aouda, die nicht nur sehr klug ist, sondern auch dafür sorgt, dass der immer kühle und beherrschte Fogg auf einmal Gefühle zeigt…

Peter Lund war von 1996 bis 2004 Leitungsmitglied der Neuköllner Oper und arbeitet als Autor und Regisseur. Gemeinsam mit dem renommierten britischen Komponisten Jonathan Dove schrieb er im Auftrag des Opernhauses Zürich diese Familienoper, die mit einem neuen, augenzwinkernden Blick auf eine bekannte, mehrfach verfilmte Geschichte schaut. Lund übernahm auch die Regie dieses Stücks, das in Zürich vor stets ausverkauftem Haus gezeigt wurde.

Wir freuen uns sehr, diese temporeiche Familienoper für alle ab 7 Jahren nun auch in Berlin zeigen zu können.

Eine Produktion des Opernhauses Zürich

   

  

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PK In 80 Tagen um die Welt Saison 26/27 | pdf | 0.08MB /  09.04.2026

14.04.2026

Libretto von Joris Lacoste – Uraufführung: 22. Januar 2027 – Weitere Vorstellungen: 27., 31. Januar; 6., 12., Februar 2027 – ca. 1 Std. 20 Min.

Im heutigen Alltag sind wir permanent einer gewaltigen Datenflut ausgeliefert. Sekündlich entstehen weltweit zehntausende neue digitale Beiträge: Posts werden abgesetzt, Tweets verfasst und Videos hochgeladen. Zwei Drittel der globalen Bevölkerung nutzen regelmäßig soziale Medien, knapp die Hälfte täglich. Der Strom aus Informationen prasselt auf das menschliche Gehirn ein, drängt uns zu schnellen Einordnungen und zwingt zu direkten Entscheidungen. Die Inhalte des digitalen Irrgartens schwanken zwischen Extremen: Rührige Tiervideos weichen Unfallbildern, Kochrezepte und Lifehacks folgen auf Gewaltaktionen. Dieses heterogene Kreuzfeuer im Endlos-Feed aus permanent nachgespeistem Content formt einen Sog, dem das rezipierende Subjekt kaum entkommen kann. Auf die Macht-losigkeit, die sich dabei einstellen kann, reagiert Good Vibes Only künstlerisch.

Die erste Uraufführung auf der großen Bühne der Deutschen Oper Berlin unter der neuen Leitung verhandelt die brandaktuellen Dauerthemen rund um Soziale Medien und den digitalen Raum. Auf exzeptionelle Weise rückt Good Vibes Only dabei die ästhetischen Dimensionen in den Fokus, die sich im Kontext digitaler Vernetzung ergeben. Die isländische Komponistin Bára Gísladóttir und der französische Autor und Regisseur Joris Lacoste begeben sich auf die Suche nach Mustern im multidimensionalen Chaos und schöpfen deren musikdramatische Potenziale aus. Durch das Re-Arrangieren realer Beiträge und der klanglichen Ergründung dieser entsteht ein Panoptikum unseres digitalen Zeitalters.

Bára Gísladóttir, in der neuen Saison Composer in Residence an der Deutschen Oper Berlin, zählt zu den gefragtesten Komponistinnen der jungen Generation. Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung und dem Carl Nielsen Ehrenpreis verbindet ihre Musik den klassischen Orchesterapparat mit elektroakustischen Mitteln und öffnet sich dabei genreübergreifend Einflüssen aus Heavy-Metal, experimentellem Jazz, Noise und Drone. Ihre Werke werden sowohl in Konzertsälen wie der Londoner Barbican Hall, der Kölner Philharmonie, dem Radio France in Paris oder dem Logan Center for the Arts in Chicago aufgeführt als auch auf renommierten Festivals der Neuen Musik und des Indie-Bereichs. Nach Arbeiten für Tanz-stücke, Filmprojekte und die Theaterbühne ist Good Vibes Only ihr erstes abendfüllendes Musiktheater.

Joris Lacoste arbeitet an der Schnittstelle zwischen Theater, Performance, bildender Kunst und Literatur. Sein Werk zeichnet sich durch eine tiefe Auseinandersetzung mit der Macht der Sprache und den Mechanismen der menschlichen Kommunikation aus. Zentral für ihn sind Recherche, dokumentarisches Material und wissenschaft-liche Herangehensweise. Als Sprachkünstler, der das Hören in den Mittelpunkt stellt, ist er prädestiniert für das Musiktheater. Mit Good Vibes Only debütiert der Multikünstler in der Opernwelt.

Titus Engel, Conductor in Residence dirigiert seine erste Opernproduktion an der Deutschen Oper Berlin. Als ein erfahrener Partner für komplexe Neukompositionen leitete er zuletzt die Uraufführungen von Hèctor Parras Justic (Genf), Michael Wertmüllers Echo 72. Israel in München (Hannover) und Olga Neuwirths Monster‘s Paradise (Hamburg).

      

 

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PK Good Vibes Only Saison 26/27 | pdf | 0.1MB /  09.04.2026

14.04.2026

Dramma giocoso. Libretto von Lorenzo da Ponte – Premiere: 28. Februar 2027 – Weitere Vorstellungen: 3., 5., 8., 13. und 15. März 2027 – ca. 3 Std. 30 Min. inkl. Pause

Drei Männer, die sich zu einer Wette verabreden. Zwei Frauen, die Gegenstand dieser Wette sind. Mit einem perfiden Spiel, das sich Don Alfonso ausgedacht hat, soll die Treue dieser Frauen getestet werden: Ferrando und Guglielmo sind davon überzeugt, dass Fiordiligi und Dorabella sie niemals betrügen würden. Zum Schein ziehen sie in den Krieg und kehren verkleidet zurück, um ihre Verlobten als vermeintlich Fremde zu verführen: Wenn es ihnen gelingt, haben sie die Wette verloren und Don Alfonso triumphiert. So das Setting für Mozarts Così fan tutte. Ein zeitgemäßer Opernstoff? Es ist in allererster Linie Mozarts Musik, die dieser Oper bis heute ihren Platz im Repertoire sichert, denn sie schaut den Figuren tief ins Herz, ohne sie zu verurteilen. Wenn sich das, was als heiteres Spiel begann, zum grausamen Experiment entwickelt, das schließlich allen Beteiligten den Boden unter den Füßen wegzieht, dann legt die Musik die Gefühle der Figuren in all ihrer Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit frei; sie lotet die existentiellen Abgründe der Liebe aus, die wir alle, egal welchen Geschlechts, auf die gleiche Art und Weise erleben – heute wie 1789, als Mozarts Oper uraufgeführt wurde.

2014 machte das belgische Regiekollektiv FC Bergman in Berlin mit der spektakulären Produktion Van den vos auf sich aufmerksam, die im Haus der Beliner Festspiele zu sehen war; seither waren die Belgier nicht mehr in Berlin zu Gast. Inzwischen sind die Künstler*innen des Kollektivs Teil der Leitung des Toneelhuis in Antwerpen und erhielten für ihr Gesamtschaffen, das u. a. Club-Performances, Videoinstallationen und immersive Inszenierungen umfasst, im Jahr 2023 den Silbernen Löwen bei der Biennale in Venedig. Zuletzt feierten sie mit Guernica, Guernica einen fulminanten Erfolg auf der Ruhrtriennale in Bochum. 2023 inszenierten FC Bergman am Grand Théâtre de Genève Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria. Nun wird ihre originelle Theatersprache, die einem bildgewaltigen Surrealismus zugeneigt ist, erstmals in einer Operninszenierung in Berlin zu erleben sein: FC Bergman inszeniert Mozarts Cosí fan tutte an der Deutschen Oper Berlin als eine Geschichte über junge Menschen im heutigen Neapel, die spielerisch auf der Suche sind nach Antworten auf die Fragen des Lebens: Was bedeutet die Liebe für uns? Welche Rollen spielen wir im Leben? Wer manipuliert wen? Ist die Realität wirklich immer tragfähiger als die Fantasie?

Der Italiener Riccardo Minasi, einer der interessantesten Dirigenten im Bereich der historischen Aufführungspraxis, trifft erstmals auf das Orchester der Deutschen Oper Berlin. Minasi war in der Vergangenheit unter anderem Musikalischer Leiter des Ensembles Il pomo d’oro, Künstlerischer Leiter des Orchestra La Scintilla am Opernhaus Zürich, Artist in Residence des Ensemble Resonanz der Hamburger Elbphilharmonie sowie Musikdirektor des Teatro Carlo Felice in Genua.

Ein junges Solistenensemble, angeführt von Elsa Dreisig als Fiordiligi, erkundet die psychologischen Facetten dieses vielschichtigen Spiels um die Liebe.

    

 

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PK Così fan tutte Saison 26/27 | pdf | 0.09MB /  09.04.2026

14.04.2026

Dramma lírico. Libretto von Arrigo Boito – Premiere: 16. April 2027 – Weitere Vorstellungen: 20., 25., 28. April; 2. Mai – ca. 3 Std. inkl. Pause

Verdis Spätwerk Otello nimmt nicht nur eine Sonderstellung im Œuvre des Komponisten ein, sondern bildet auch einen Solitaire in der Operngeschichte. Dazu trägt auch die meisterliche Adaption des Shakespeare-Stoffs durch den 30 Jahre jüngeren Librettisten Arrigo Boito bei, die den Altmeister überhaupt erst dazu bewog, sich nach über zehn Jahren wieder einer Neukomposition zu widmen. Aus der Zusammenarbeit resultierte ein Werk, das durch formale Reife und außerordentliche musikdramatische Konstruktion besticht. Das Modell der Nummernoper weicht zugunsten eines durchkomponierten verdichteten Stils mit starker theatraler Wirkung und einem unerbittlichen Sog. Damit einhergehend gewinnt das Orchester an Bedeutung für die Charakterzeichnung und atmosphärische Ausgestaltung und wird so elementarer Antrieb der Handlung.

Für die Neuinszenierung von Otello kommt Kornél Mundruczó erstmals an die Deutsche Oper Berlin. Seine steile Karriere in der Filmbranche führte ihn zu den Filmfestspielen in Cannes und Venedig. Mit Pieces of a Woman feierte er 2020 großen Erfolg auf Netflix. Im Februar 2026 feierte mit At the Sea erstmals ein Film des ungarischen Regisseurs beim Hauptwettbewerb der Berlinale Premiere. Nachdem er 2014 vom damaligen Intendanten Aviel Cahn an die Vlaamse Opera geholt wurde, stieg Mundruczó zu einem der gefragtesten Player der internationalen Opernwelt auf, mit Inszenierungen u. a. an der Hamburgischen Staatsoper, dem Grand Théâtre de Genève, der Bayerischen Staatsoper, der Opéra de Lille, dem Opernhaus Zürich und der Staatsoper Unter den Linden. Ein Markenzeichen des Erfolgsregisseurs ist die exzeptionelle Einbindung von Video auf der Bühne, die stets über eine reine Bebilderung hinausgeht und zum elementaren Bestandteil der Erzählweise wird.

 Für Otello begibt sich das Team um Kornél Mundruczó auf eine Reise in die Innenwelt des Protagonisten. Gezeichnet von einem Leben für den Krieg ist er Täter und Opfer, Jäger und Beute. Abseits von Heroismus und Lobpreisungen der Erfolge auf dem Schlachtfeld wird der Feldherr von Traumata geplagt. Durch die brutalen Kriegserfahrungen psychisch zermürbt und der dämonischen Manipulationslust des heimlichen Widersachers Jago ausgeliefert wird Otello schließlich zum blutrünstigen Mörder seiner geliebten Desdemona. Bühnenbildnerin Monika Korpa schafft einen Raum, der in die seelischen Abgründe des Protagonisten blicken lässt.

Für die musikalische Leitung kommt Stefano Montanari erstmalig für eine Neuproduktion an die Deutschen Oper Berlin. Als Spezialist für die italienische Opernliteratur bewies er sein Gespür für Verdis Spätwerk mit einem frischen Ansatz bereits durch seine umjubelte Leistung bei der Premiere des Otello an der Staatsoper Stuttgart.

In der Titelrolle ist Najmiddin Mavlyanov zu erleben, der für die dramatischen Tenorrollen des italienischen und russischen Fachs weltweit gefragt ist. Von heldischer Strahlkraft über lyrische Zartheit bis zu rabiaten Ausbrüchen bringt er alle Voraussetzungen mit, um in dieser alle Konventionen sprengenden Partie zu glänzen. Die Sopranistin Ruzan Mantashyan hat sich nach einer glanzvollen Karriere im Mozart-Fach in den vergangenen Jahren in den großen Rollen Verdis und Puccinis etabliert. Das Debüt des Rising Stars als Desdemona ist so ein weiterer Meilenstein in ihrer steilen Karriere. Luca Micheletti hat als Jago schon quer durch Italien von Lucca bis Venedig Publikum für sich gewinnen können. Nun gibt er den düsteren Antagonisten mit der Darbietung an der Deutschen Oper Berlin erstmals außerhalb seiner italienischen Heimat.

 

 

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PK Otello Saison 26/27 | pdf | 0.09MB /  09.04.2026

14.04.2026

Text nach der Totenmesse und Gedichten von Wilfred Owen – Premiere: 18. Juni 2027 – Weitere Vorstellungen: 22., 23., 28. Juni; 1., 2. Juli 2027 – ca. 1 Std. 30 Min. 

«Ich bin der Feind, den du getötet hast, mein Freund», schreibt ein englischer Leutnant 1918 an der nordfranzösischen Front. Am Tag des Waffenstillstands fällt Wilfred Owen mit nur 25 Jahren. Totenglocke und Friedensgeläut überlagern sich – ihr Echo klingt in Benjamin Brittens War Requiem nach: einem antimilitaristischen, antinationalistischen Monument des Gedenkens, der kollektiven Trauer und des persönlichen Verlustes. Gezeichnet von der Gewalt zweier Weltkriege, wurde das Werk 1962 zur Weihe der wiederaufgebauten Coventry Cathedral uraufgeführt. Wie dort die Ruine in die neue Architektur integriert ist, durchbrechen auch Owens Gedichte den Ablauf der lateinischen Totenmesse. Brittens Vertonung schöpft aus dem emotionalen Kraftfeld der Requiem-Tradition und bringt jene Menschenkenntnis ein, die ihn als Opernkomponisten auszeichnet: das Wissen, dass die Fähigkeiten zur Brutalität und zur Sanftmut aneinandergebunden bleiben – und dass wir in der Hand haben, welche davon die Geschichte bestimmen wird.

War Requiem steht für Pazifismus als künstlerische Haltung und hat in unserer politischen Gegenwart nichts von seiner Dringlichkeit verloren. Für Frieden tritt auch die international beachtete Produktion aus London ein, die dort 2018 zur Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkriegs entstand und nun auf Einladung der Deutschen Oper Berlin vom künstlerischen Team um Regisseur Daniel Kramer und Fotograf Wolfgang Tillmans neu einstudiert wird. In der Inszenierung verbindet sich Kramers poetisch-kraftvolle Körperarbeit mit dem unkonventionellen, weltzugewandten Blick von Wolfgang Tillmans, der hiermit sein Operndebüt in Berlin gibt. Gemeinsam schaffen sie zeitlose Situationen, in denen Trauma und Trost, Masse und Intimität, Verwundbarkeit und Widerstand nebeneinander wohnen. Historische Zeugnisse und fotografische Momentaufnahmen umkränzen den Raum, scheinen selbst zu beobachten und gerinnen zu lautlosen Landschaften.

Auch die Besetzung folgt einer symbolischen Idee, die bereits der Uraufführung eingeschrieben war: Im Zeichen künstlerischer Begegnung sollten die Solopartien damals von einer russischen Sopranistin, einem britischen Tenor und einem deutschen Bariton gesungen werden. Im letzten Moment verhinderte jedoch die sowjetische Regierung die Teilnahme von Galina Wischnewskaja. Nun wird diese Geste der Verständigung unter der musikalischen Leitung des ausgewiesenen Britten-Kenners Sir Donald Runnicles eingelöst, der für diese Produktion an die Deutsche Oper Berlin zurückkehrt.

Das langjährige Ensemblemitglied Elena Tsallagova, aufgewachsen im nordkaukasischen Wladikawkas, übernimmt den Sopranpart. Daneben agieren der schottische Tenor Nicky Spence, der insbesondere im Opernrepertoire des 20. Jahrhunderts Maßstäbe gesetzt hat, sowie der deutsche Bariton Björn Bürger, der bereits mit der ihm eigenen Verve die Titelpartien in Brittens Billy Budd und Owen Wingrave gestaltete. Überdies treten Chor und Kinderchor der Deutschen Oper Berlin protagonistisch in Erscheinung: Sie tragen Brittens vielschichtige Partitur, die liturgische Wucht und Klangintensität des Werkes, geben der Klage einen Körper und der Hoffnung eine Stimme, die über jede Zeitgebundenheit hinausweist.

    

 

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PK War Requiem Saison 26/27 | pdf | 0.09MB /  09.04.2026

14.04.2026

kuratiert von Rirkrit Tiravanija – 29. & 30. August 2026

Öffnung als Programm! Zu Beginn der ersten Spielzeit unter der Intendanz von Aviel Cahn will die Deutsche Oper Berlin nicht nur die Türen des Hauses weit öffnen, sondern auch Genregrenzen aufbrechen: Erstmals kuratiert mit Rirkrit Tiravanija ein bildender Künstler ein Eröffnungswochenende an der Oper an der Bismarckstraße. Tiravanija wurde in Buenos Aires geboren und lebt heute in New York, Chiang Mai und Berlin; 2024 war er mit einer großen Retrospektive im Gropius Bau zu Gast. In seinen Aktionen und Performances lädt der Künstler dazu ein, Kunstwerke aktiv mitzugestalten – durch gemeinsames Kochen, Spielen oder Musizieren. Unter dem Motto «Unless the people live here» trifft diese künstlerische Haltung nun auf die Deutsche Oper Berlin – mit dem Ziel, das Opernhaus als lebendiges System erfahrbar zu machen.

Tiravanija lädt befreundete Künstler*innen ein, die in Berlin leben. Petrit Halilaj und Álvaro Urbano, Sung Tieu, Anri Sala, Tomás Saraceno, Sissel Tolaas und andere werden das Haus 30 Stunden lang mit ortsspezifischen Interventionen bespielen – und sich dabei verbinden mit all den Menschen, die am Haus arbeiten: Sänger*innen, Musiker*innen, künstlerischen Kollektiven, Werkstätten, Techniker*innen, Einlasspersonal. Neben vielen überraschenden Aktionen sind eine kostümierte Parade durch den Charlottenburger Kiez geplant, eine große Vielfalt künstlerisch-musikalischer Performances mit unserem Orchester, Chor und Ensemble, dem Staatsballett, Aktionen für Kinder und Familien – und nicht zuletzt der Auftakt zur neuen Late Night-Reihe mit dem OMSK Social Club, der das Publikum in einen Clubraum auf der großen Bühne einlädt.

 

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PK Eröffnungswochenende Saison 26/27 | pdf | 0.08MB /  09.04.2026

14.04.2026

Sofia Jernberg (Komposition) / Stephanie Thiersch (Regie) / Fiston Mwanza Mujila (Libretto) – Uraufführung: 25. September 2026 Tischlerei – Weitere Vorstellungen: 26., 27., 30. September; 1., 2. Oktober 2026 – ca. 1 Std. 20 Min

Überlebende des Meeres treffen aufeinander und entwerfen eine neue Gesellschaft – ein mögliches Paradies fern alter Ordnungen, fern von Herkunft, Macht und territorialen Grenzen. Auf einer Insel inmitten des Ozeans entsteht ein Raum zwischen Verlust und Neuanfang, Erinnerung und Zukunft, Wahrheit und Fiktion.

Die Choreografin und Regisseurin Stephanie Thiersch inszeniert Sunville in überbordenden Bildern und lässt Surreales, Spekulatives und Futuristisches ineinanderfließen. Rhythmische Gesten, Tableaux vivants, Sprache und Klang entfalten ein kaleidoskopartiges Univer-sum mit eigenen Gesetzmäßigkeiten. In einem Strudel zirkulärer Bewegungen treffen Überzeichnung und Exzess auf fragile Intimität.

Das Libretto des kongolesisch-österreichischen Autors Fiston Mwanza Mujila verbindet Black Science-Fiction, Semi-Fantasy, Satire und Elemente des Afrosurrealismus: Mythen werden neu erfunden, historische Versatzstücke verschoben und Kategorisierungen ad absurdum geführt. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Zukunft durch Imagination neu denken lässt.

Sofia Jernberg eröffnet dazu einen vielschichtigen Klangraum zwischen zeitgenössischer Komposition, offenen Partituren, experimenteller Improvisation, dekonstruktiven Samples, spirituellem Jazz, Griyo-Traditionen und Archivaufnahmen. Sofia Jernberg und Fiston Mwanza Mujila, in der Saison 2026/27 Poet in Residence, stehen selbst auf der Bühne – als Sängerin und als Storyteller. Hinzu kommen als Performer*innen die Altistin Noa Frenkel, der Countertenor Serge Kakudji, eine Tänzerin und ein Ensemble von Instrumentalist*innen.

Sunville ist ein Abend über neue Mythen, kollektive Imagination, Fluidität und die Freiheit, Gemeinschaft anders zu denken.

Jernberg und Mujila sind außerdem zu erleben in einer Performance beim Internationalen Literaturfestival im Haus der Kulturen der Welt, Sofia Jernberg gestaltet ein Konzert der neuen Reihe Cantadoras und Fiston Mwanza Mujila gibt im Atelier einen Schreibworkshop, stellt bei Unlimited Kino einen Lieblingsfilm vor und trifft in der Reihe Jazz & Lyrics auf Musiker*innen der BigBand der Deutschen Oper Berlin.

 In Koproduktion mit Wiener Festwochen und VOICES BERLIN FESTIVAL. Mit Unterstützung der Deutsche Bank Stiftung

Fiston Mwanza Mujila – Poet in Residence
Mujilas Schreiben ist stark vom Jazz geprägt, er reagiert auf die politischen Turbulenzen seines Herkunftslandes und macht deren Auswirkungen auf den Alltag zum Thema. Dabei zeichnen sich seine Texte durch eine intensive, improvisatorische Sprachenergie aus, durchzogen von subversivem Humor und überraschenden Ton-wechseln. Sein erster Roman Tram 83 stand auf der Longlist des International Booker Prize sowie des Prix du Monde und wurde mit dem Etisalat Prize for Literature ausgezeichnet. Sein zweiter Roman La danse du vilain (Tanz der Teufel) erhielt den Prix Les Afriques 2021 und war 2024 Finalist des National Book Award for Translated Literature. Ebenfalls 2024 wurde ihm der Literaturpreis der Literaturhäuser verliehen.

    

 

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PK Sunville Saison 26/27 | pdf | 0.09MB /  09.04.2026

14.04.2026

Sinfoniekonzert «Licht auf Parsifal» 8. Sep. 2026 – Music of Many 5. / 6. Dezember 2026 – Music of Changes 5., 6., 7., 11., 12., 13. März 2027 – Music Circus 12. Juni 2027

Als Teil der neuen Sparte Unlimited betreut Conductor in Residence Titus Engel einen vierteiligen Zyklus, in dem die Schaffenswelten von Karlheinz Stockhausen und John Cage in einen Dialog treten. Als Zeitgenossen zählen sie zu den einflussreichsten Komponisten des vergangenen Jahrhunderts. Radikal auf ihre jeweils eigene Weise haben beide das Denken über Musik revolutioniert: Während Cage den Begriff dessen, was Musik sein kann, durch den Einbezug von Stille, Alltagswelt und Zufall öffnet und damit die künstlerische Intention des komponierenden Subjekts hinterfragt, konstruiert Stockhausen seine Kompositionen mit mathematischer Akribie, schafft einen Überbau durch Zahlensymbolik und Mystizismus und erweitert besonders in seiner späten Schaffensphase die Dimensionen des musikalisch-performativen Werkcharakters.

Als Auftakt präsentiert Titus Engel Michaels Reise, den zweiten Akt aus Donnerstag aus Licht, als Einstimmung auf die Premiere des Mittwoch aus Stockhausens wochenumspannendem Opernzyklus. Diesem Werk stellt der Dirigent Auszüge aus dem dritten Aufzug von Wagners Parsifal gegenüber. Unter dem Titel «Licht auf Parsifal» treffen so am 8. Sept. im Konzerthaus zwei Kosmen von Weltanschauungsmusik aufeinander, welche das klassische Heldenepos transzendieren. Den ästhetischen Kitt bildet dabei John Cages berühmtes Werk 4‘33“, das die Emanzipation der musikalischen Pause herbeiführte.

Gleich zwei Projekte entstehen gemeinsam mit dem Theaterkünstler Thom Luz und dem Berliner Zafraan Ensemble. Als Neuproduktion in der Tischlerei widmet sich ab dem 5. März Music of Changes dem Œuvre von John Cage in seiner gesamten Weite: von den überraschend mitreißenden Perkussionsstücken der Anfangsjahre über die nachdenklicheren Ausdünnungs- und Auflösungsharmonien der mittleren Schaffensperiode bis zu den völlig von Zufall und Eigeninitiative ihrer Interpretatorik gestalteten Klangmeditationen des Spätwerks. In einem Bühnenraum zwischen Konzertbühne und Turnhalle werden Cages Kompositionen und Konzepte aufgeführt und umgesetzt: Das Publikum erlebt, wie Cages klanggewordene Weltordnung sich auf der Bühne ausbreitet und den Raum verändert. Die Inklusion des Zufallsprinzips als strukturgebendes Element wird dabei fürs Publikum zur nachvollziehbaren und fesselnden Begegnung mit den Möglichkeiten des nicht-deterministischen Entscheidungsprinzips: Jede Aufführung ist eine Uraufführung, in keiner Vorstellung geschieht das exakt Gleiche wie in einer anderen.

Als Satellit entsteht für den Hamburger Bahnhof bereits zuvor Music of Many. Unter der Leitung von Thom Luz und Titus Engel lässt das Zafraan Ensemble am 5. und 6. Dezember Cages Hymns and Variations und Stockhausens Stop aufeinanderprallen und damit die zwei ästhetischen Gegenpole von offengehaltener interpretatorischer Freiheit und minutiöse vorgegebener Durchkalkulation.

Mit Cages Happening Music Circus begibt sich die neue Sparte Unlimited in Kooperation mit der Jungen Deutschen Oper zum Ende der Spielzeit auf die Straße und in den Kiez rund um die Deutsche Oper Berlin. Mit dem ersten großen Community-Projekt des Hauses werden Jung und Alt, Gruppen und Einzelpersonen, Freundeskreise und Familien zur musikalischen Teilhabe aufgefordert. Titus Engel bringt Laienmusiker*innen mit Profis der Deutschen Oper Berlin zusammen, um dieses radikale Experiment zu wagen. Der Music Circus öffnet am 12. Juni die Institution für alle und jede*n und bildet so einen Teil des Finales vor der Sommerpause.

                

 

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PK Zyklus Stockhausen Cage Saison 26/27 | pdf | 0.11MB /  09.04.2026

14.04.2026

Musiktheater für Kinder. Text von Anselm Dalfarth und Ina Karr – Premiere: 30. April 2027 Tischlerei – Weitere Vorstellungen: 1., 2., 8. (2x), 9., 10., 11., 12., 13. Mai 2027 – ca. 1 Std.

Wie wäre es, wenn es keine Ungerechtigkeiten mehr gäbe auf der Welt? Wenn wir die Machtstrukturen, durch die Menschen unterdrückt werden, überwunden hätten? Wenn niemand mehr die Erde zerstören und endlich Frieden herrschen würde? Und alle so leben und lieben könnten, wie sie wollen?

Zur Zeit von König Hamed und Prinzessin Sherifa war das noch nicht so. Die meisten Menschen dachten, alle Frauen liebten Rosa und weiche Stoffe und tratschten den ganzen Tag, und Männer mochten Krieg und scharfe Gewürze und würden sich nie waschen. Erst als Prinzessin Sherifa sich als Mann verkleidete und König Hamed besuchte, der aus Wut alle Frauen aus seinem Reich verbannt hatte, gerieten diese Gewissheiten plötzlich durcheinander. König Hamed begann sich zu wundern: Sind wirklich nur Männer stark und lieben Fußball? Könnten Mut und Ehre vielleicht auch Frauensache sein? Haben vielleicht auch Männer weiche Haut und sanfte Lippen?

Heinrich Horwitz ist Regisseur*in, Choreograf*in, Schauspieler*in und Aktivist*in für queere Sichtbarkeit in Kultur und Medien; Produktionen von Heinrich waren am Staatstheater Darmstadt, der Oper Bremen, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Staatstheater Kassel, in der Elbphilharmonie Hamburg, dem Deutschlandfunk Köln, bei Festivals wie Frau Musica Nova Köln, Schönes Wochenende Düsseldorf, Internationales Musikfest Hamburg, Tanztage Berlin, MusikInstallation Nürnberg oder Ultima Oslo zu sehen. Heinrich Horwitz erzählt die Familienoper Hamed & Sherifa von Zad Moultaka als Rückblick aus einer utopischen Zukunft – also aus einer Zeit, in der alle Lebens- und Liebesformen möglich und akzeptiert sind. Eine Zeit auch, in der alle Grenzen überwunden sind, auch die zwischen Zuschauerraum und Bühne, so dass am Schluss der Aufführung alle großen und kleinen Zuschauer*innen Teil einer einzigen Gemeinschaft werden.

Die musikalische Leitung dieser erfolgreichen Familienoper, in der ein Tenor, ein Counter und ein Bass-Bariton alle Rollen übernehmen – und diese ständig wechseln, woraus auch sehr viel Komik entsteht –, hat Miguel Perez Iñesta. Er war Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter (2012–2017) des Berliner Zafraan Ensembles und bisher u.a. beim Ultraschall Festival Berlin, mit dem WDR Sinfonieorchester im Konzerthaus Dortmund und an der Opéra de Lyon mit der Inszenierung von Bluthaus von Georg Friedrich Haas zu erleben.

 

 

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PK Hamed und Sherifa Saison 26/27 | pdf | 0.08MB /  09.04.2026