Fiston Mwanza Mujila – Poet in Residence

Ein Porträtbild von Fiston Mwanza Mujila
Fiston Mwanza Mujila © Jürgen Fuchs
 

Die Deutsche Oper Berlin hat einen Poet in Residence! Fiston Mwanza Mujila schreibt nicht nur das Libretto zum Musiktheater Sunville, er tritt auch selbst als Performer auf und ist in weiteren Formaten zu erleben.

Wie kann die Welt gerettet werden? «Mit Poesie!», ist Fiston Mwanza Mujilas ganz entschiedene Antwort. Für den kongolesisch-österreichischen Schriftsteller ist Literatur kein Rückzugsort, sondern eine klanglich-politische Form der Gegenwart.

Fiston Mwanza Mujila wird 1981 in Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo geboren. Er studiert Literatur- und Humanwissenschaften, bevor er 2007 Lubumbashi verlässt. Seit 2009 lebt er in Graz, wo er zunächst als Stadtschreiber wirkt und später afrikanische Literatur an der Universität unterrichtet – und das für ihn mittlerweile eine zweite Heimat geworden ist.

International bekannt wird Fiston Mwanza Mujila mit seinem Debütroman Tram 83 (2014). Im Zentrum steht ein fiktiver Nachtclub in einer afrikanischen Großstadt zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Der Text hat eine besondere Haptik; er ist rhythmisch, repetitiv, voller Einschübe und Aufzählungen. Lange sucht Mwanza Mujila dafür einen Verlag; mehrmals wird er aufgefordert, den Text an europäische Lesegewohnheiten anzupassen. Er lehnt ab. Und der Erfolg gibt ihm schließlich recht: Tram 83 steht 2015 auf der Longlist des Man Booker International Prize, erhält unter anderem den Etisalat Prize for Literature, den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt, den Peter-Rosegger-Literaturpreis und wird mehrfach für die Theaterbühne adaptiert.

Neben Romanen schreibt Fiston Mwanza Mujila Lyrik und Theaterstücke – viele davon werden ausgezeichnet. 2024 wird ihm etwa der Preis der Literaturhäuser verliehen mit der Begründung: «Die Texte sind durchzogen von Rhythmus und Musik, und auch seine Bühnenauftritte sind aufsehenerregend: Er liest seine Texte, er lebt sie – schreit, ruft, lamentiert, flüstert oder singt.»

Mwanza Mujila selbst vergleicht seine Texte mit Liedern – sie sollen gehört werden. Er will die Wörter aus dem Gefängnis der schriftlichen Fixierung befreien, sie erlebbar machen: «Die Schrift ermöglicht mir nicht, alles auszudrücken, was ich möchte. Ich brauche also den Mund, die Rezitation, um zu so etwas wie der letzten Beschreibung zu gelangen.»

Diese enge Verbindung von Text und Musik macht Fiston Mwanza Mujila zu einer idealen Stimme für das zeitgenössische Musiktheater. Deshalb lädt ihn die Deutsche Oper Berlin in der Spielzeit 2026/27 zu einer Residency ein. Er wird das Opernprogramm schreibend begleiten und seine Perspektive kontinuierlich einbringen.

So wird er etwa das Libretto für das Musiktheaterstück Sunville verfassen und dort auch als Performer zu erleben sein, in einem Unlimited Salon zur Produktion Otello den Stoff neu beleuchten und ein Schreib-Atelier mit seiner Expertise betreuen. Seine Arbeit wird aber auch über das Opernhaus hinauswirken: Er wird Teil einer Performance mit Sofia Jernberg beim Internationalen Literaturfestival Berlin im September 2026 sein und im Rahmen der Kino-Kooperation mit den York-Kinos gegen Ende der Saison einen seiner Lieblingsfilme präsentieren.

Fiston Mwanza Mujila erweitert das Opernhaus um neue sprachliche Räume, globale Perspektiven und macht es so zu einem Resonanzraum der Gegenwart.

Sunville Performance > 10.9.26

Gemeinsam mit Sofia Jernberg liest und performt Fiston Mwanza Mujila Auszüge aus dem Libretto für Sunville: improvisiert, spontan, auf den Raum reagierend. Danach folgt ein Gespräch mit beiden – über die Komplexität von Hoffnung, die Hintergründe von Sunville und ihre Kunst.

Im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin

Ort: Haus der Berliner Festspiele 

 

Sunville > 25.9.26 – 2.10.26

Überlebende des Meeres, Geflüchtete, Exilierte, kommen auf einer Insel zusammen. Aus dem Nichts errichten sie eine neue Gesellschaft, ohne die alten Regeln von Herkunft, von Macht. Kann es das geben, eine Gemeinschaft, die auf Liebe gründet? ... Ein afrofuturistisches Musiktheater von Sofia Jernberg, Fiston Mwanza Mujila und Stephanie Thiersch.

Ort: Tischlerei   

 

Im Kino > 4.11.26

Mit Unlimited geht die Oper ins Kino: In einem der Säle des delphi Lux zeigen Künstler*innen, denen wir in der Opernsaison begegnen, ihre geheimen Lieblingsfilme, guilty pleasures oder kinematografische Inspirationspunkte im Kontext der Opernproduktionen – und stellen sie persönlich vor. 

Ort: delphi LUX  

 

Unlimited Salon: Otello > 6.4.27

Mit einer eigenen Performance wird Fiston Mwanza Mujila aus seiner Perspektive in Giuseppe Veris Otello einführen.

Ort: Foyer   

 

Atelier > 5.4.27

Eine Schreibwerkstatt, geleitet von Fiston Mwzanza Mujila. 

Ort: Foyer   

 

Kasala pour mon Kaku > 9.&11.4.27

Fiston Mwanza Mujila trifft bei Jazz & Lyrics auf die Musiker*innen der BigBand. Seine rhythmisch getragenen Texte verschmelzen mit Jazz-Improvisation – ein Dialog zwischen kongolesischer Poesie und den afrodiasporischen Wurzeln des Jazz.

Ort: Tischlerei   

 

Das Poet-in-Residence Programm
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Unterstützung von
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